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    • Ausstellung «zusammen - drei Sichtweisen», Renata Borer, Claudia Roth, Claudia Walther
      ARK | Ausstellungsraum Klingental, Basel, 14. März - 11. April 2004. Presse ...

    • Ausstellung «en vitesse», | Kunstverein Hochrhein, Villa Berberich Bad Säckingen, 2005

    • Ausstellung «Trainscapes», | Armin Vogt, Stasia Hutter Galerie, Basel, April 2005

    Fine Arts Tintenstrahldrucke, auf Aluminium montiert oder gerahmt.
    Bildgrössen: 30 x 40 cm bis 100 x 140 cm.

    presseberichte

    Auszug aus der Eröffnungsansprache von Gabrelle Obrist zur Ausstellung «zusammen - drei Sichtweisen», Renata Borer, Claudia Roth, Claudia Walther ARK | Ausstellungsraum Klingental, Basel, 2004
    Claudia Walther zeichnet mit Licht. Die Analyse des Wortes Photographie untermauert diese Aussage, meint doch das griechische «graphein» ritzen, schreiben und findet sich als sinniges Affix auch in der «Geographie», der Disziplin der Erdbeschreibung – in Klammer und mit einem Augenzwinkern wagen wir sogar soweit zu gehen, diese hier gezeigten Landschaftsbilder als «Geo-Graphien» zu betiteln.
    Der erste Wortteil des Terminus «Photographie», «photo» ist ebenfalls aus dem Griechischen ererbt und bedeutet Licht. Claudia Walther zeichnet mit Licht, wobei sie sich zweier Hilfsmittel bedient: der Kamera und einem Beschleuniger. Ihr Zeichnen ist ein dynamisiertes, sie sitzt im durch die Lande brausenden Hochgeschwindigkeitszug bei bis zu 300 Stundenkilometern und hält die Landschaft-im-Fluss fest. Diese Abbilder der Natur zeigen eine Wirklichkeit auf, die aus dem Zusammenspiel von Technik und Wahrnehmung resultiert, eine Wirklichkeit, die dem ungerüsteten menschlichen Sehsinn verborgen bleiben muss. Das Ruhende, Unverrückbare der Topographie zeigt sich in einer unbekannten, direkt so nicht wahrnehmbaren Qualität der Beschleunigung und einer daraus resultierenden Formenverschmelzung. Die Kamera vermag anders zu ‚sehen’ als das menschliche Gehirn: Denn, was wir uns beim Betrachten in einer unendlichen Vielzahl von verschiedenen Einzelbildern in der Vorstellung zu einem Gesamteindruck automatisch zusammensetzen, erscheint in der Photographie direkter, ohne die beim menschlichen Sehvorgang vollzogenen unbewussten Korrekturen des Gehirns. Wir können mittelbar in den Werken von Claudia Walther Landschaften einmal so sehen, wie unsere Augen es unmittelbar nicht zu tun vermöchten.
    Claudia Walther webt beim Photographien aus der Eisenbahn eine zweite Zeitebene ein. Dem Ruhen der Landschaft und dem Ruhen im Zugsabteil steht die Fortbewegung des Zuges en grande vitesse gegenüber, zwei physikalische Realitäten kulminieren in einer Gleichzeitigkeit, wovon diese Bilder, diese «Tempogramme» Zeugnis geben. Faszinierend ist zu entdecken, dass sich – bedingt durch die grosse Brennweite und Belichtungszeit – in diesen photographierten ‚beschleunigten’ Landschaften die Bereiche am Horizont detailliert abzeichnen können, während Vorder- und Mittelgrund zu diffusen Farbwolken vermengt erscheinen. Dieses Phänomen verleiht den grossformatigen Bildern eine ausgesprochen malerische Qualität, die das photographisch Dokumentarische spannungsvoll kontrastiert. Eine bemerkenswerte atmosphärische Verdichtung ist diesen Aufnahmen eigen.
    Claudia Walther lässt in ihrem künstlerischen Schaffen Konzept und Zufall gleichermassen zu ihrem Recht kommen. Konzeptuell ist ihr Vorgehen zu nennen, die Festlegung der Rahmenbedingung für ihr Photographieren. Der Zufall ist weitgehend für das von der Kamera Eingefangene verantwortlich, die Künstlerin wiederum trifft aus der Fülle so entstandener Bilder eine kritische Auswahl, welcher sie ihre strengen Qualitätsnormen zu Grunde legt und somit im Visavis akribisch selektionierter Werke nochmals eine Steigerung deren Wirkung erreicht. Die hier gezeigten Arbeiten sind deshalb auch als Gruppen zu verstehen, als Diptychen oder Triptychen.
    Die scheinbar unendlichen Weiten der kargen spanischen Manca-Landschaft, die fast mystischen Stimmungsbilder des Atlantiks bei Dämmerung und die kolossalen zartgrauen Wolkenformationen bedürfen keiner weiteren Worte, sie entsprechen in ihrer ruhigen Pracht und leisen Sinnlichkeit ganz dem Postulat für die klassische Kunst: «edle Einfalt und stille Grösse».